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2500 Jahre Erzbergbau an Sieg, Heller und Wied.

Bei diesen tektonischen Bewegungen entstanden in bevorzugten Richtungen steile Aufreißungen, deren allmähliche Ausfüllung die uns heute bekannten Gangspalten ergab. Eine gute Vorstellung einer solchen Gangspalte erlaubt die schematische Darstellung des Altmeisters der Siegerland-Geologie Dr. Henke.


Die vererzten Spalten sind, ähnlich den Fiederrissen an Bauwerken, in gewissen Linien - Gangzügen - angeordnet, innerhalb derer die einzelnen Spalten selbst auf den Flanken der Falten mehr oder weniger N-S oder W-O, also praktisch diagonal zum Generalstreichen der Faltenzüge verlaufen und so Scherflächensysteme mit steilstehenden Achsen (Schnittlinien) bilden. Beim Durchqueren der Faltenkerne biegt das Streichen der Gänge oft in die NW-SO Richtung, d.h. quer zur Ebene der Faltenachse, um, wobei die sogenannten Ganghaken bzw. Hakengänge entstehen. Hierbei zeigt sich allgemein, daß der Verlauf der Gangzüge und Gangspalten im glatten, südlichen Faltenschenkel des Siegerländer Hauptsattels einfacher und stetiger ist als im enger gefalteten, vorgelagerten nördlichen Bereich.
Da das Gebirge jedoch kein homogener Werkstoff sondern ein überaus inhomogenes Gebilde ist, gelten alle Regeln und Vorstellungen, die von der modernen Geologie der Mechanik starrer Körper entnommen worden sind, nur bedingt von Fall zu Fall. Der alte Bergmannsspruch: "Hinter der Hacke ist es duster", hat daher bei Prognosen zumeist auch heute noch seine Berechtigung.
Es ist üblich, daß der einzelnen, selbstständigen Erzspalte - Gangmittel - ein bestimmter Name gegeben wird, mit dem sie häufig in den bergrechtlichen Besitzurkunden aufgeführt wird. z.B.: Florzer Mittel des Florz-Füsseberger Gangzuges. Die nach der Entstehung des eigentlichen Ganges durch spätere Störungsvorgänge aus diesem abgetrennten und versetzten Teile eines Gangmittels werden als Gangstücke bezeichnet.
Das einzelne Gamgmittel ist mit einer steilstehenden Linse zu vergleichen, der man drei, für den praktischen Bergbau wichtige, geometrische Achsen und eine bedeutsame Ebene zuordnen kann. Die horizontale Längsachse charakterisiert das Streichen, die Querachse die Mächtigkeit, die Steilachse (eigentliche Gangachse) das Einschieben und die Fallinie (Weg des Wassers auf der Ebene durch die Längs- und Steilachse) das Einfallen des Ganges. (Bei Hakengängen gelten diese Begriffe sinngemäß)
Diese tektonischen Gangelemente sind von Natur aus (primär) keineswegs geradlinig bzw. ebenflächig ausgebildet und dazu in der Regel noch nachträglich (sekundär) durch jüngere tektonische Vorgänge verzerrt; sie bilden die Grundlage für die Projektion der Lage der Gänge in noch unbekannte Teufenbereiche bei Planungsaufgaben.